Personenwagen 116

Gebaut für eine schweizer Zahnradbahn

Titelbild: Tobias Hümmelchen, 2020

Der Personenwagen 116 ist ein ehemals meterspuriger Wagen aus der Schweiz, der 1986 für den Museumsverkehr in das Jagsttal gekommen ist. 

Er wurde 1904 mit drei baugleichen Wagen als C³ Nr. 68 an die Appenzeller Straßenbahn (ASt.) von der Schweizerischen Industrie-Gesellschaft Neuhausen (SIG) geliefert. Ihre Anschaffung fand anlässlich der Streckenerweiterung von Gais nach Appenzell statt. Da es auf der Strecke auch Abschnitte mit Zahnstange gab, waren die Wagen mit Bremszahnrädern ausgestattet. Diese befanden sich anfangs an einer dritten mittleren Achse, wurden aber 1938 bei dem Umbau der Wagen zu Zweiachern auf eine der äußeren Achsen verlegt. 
Mit der Aufnahme des elektrischen Betriebes 1931 wurde aus der Appenzeller Straßenbahn die Elektrische Bahn St. Gallen–Gais–Appenzell, kurz auch als St. Gallen-Gais-Appenzell-Bahn (SGA) bezeichnet. Zur Rationalisierung und Kostenersparnis fusionierte 1948 dann die SGA mit der 1911 eröffneten Altstätten-Gais-Bahn (AG) zur St. Gallen-Gais-Appenzell-Altstätten-Bahn (SGA). Nebeneffekt dieser Fusion war die Umzeichnung des Wagens in C Nr. 111. Zwar beschaffte die SGA in den folgenden Jahren mehrere moderne vierachsige Wagen, aber die drei kleinen Personenwagen blieben als Reserve erhalten und kamen bei Bedarf zum Einsatz. 1981 fand eine letzte Umbenennung statt wobei unser Wagen seine heutige Bezeichnung B Nr. 116 erhielt. Im gleichen Jahr beschaffte die SGA drei neue Pendelzüge, wodurch schließlich auch die als Reserve vorgehaltenen Fahrzeuge entbehrlich wurden. So kam es, dass 1982 insgesamt vier Fahrzeuge von der SGA übernommen und nach Dörzbach zur Jagsttalbahn transportiert werden konnten. Hier brauchte man dringend mehr Personenwagen für den stark frequentierten Museumsverkehr. Der Transport der Wagen Nr. 116, 121, 181 und 163 erfolgte verladen auf Normalspurwagen. Da die Fahrzeuge in Dörzbach abgeladen werden sollten, wurden die Normalspurwagen zum Transport ab Möckmühl auf Rollböcke gestellt. Nach der Ankunft begann man bald mit der Aufarbeitung, aber vor allem dem Umbau von Meterspur auf 750 mm Spurweite. 1984 konnte der Wagen 116 dann in Betrieb genommen werden.

Das Besondere an dem Wagen 116 ist, das er noch seine originale Innenausstattung besitzt. Auch das Äußere hat keine wesentlichen Änderungen, abgesehen von dem Ausbau der dritten Achse, erfahren. 
Momentan steht das Fahrzeug in Dörzbach und wartet auf seine Aufarbeitung.

Mit dem Wagen B 119 ist ein Schwesterfahrzeug unseres Wagens bei der „Stiftung Historische Appenzeller Bahnen“ erhalten und kommt dort mustergültig restauriert in Sonderzüge zum Einsatz.

 

Anlieferung des Wagens 116 im März 1982 in Möckmühl.
Bild: Roland Hofreuter

Lebenslauf:

1904:Gebaut von der Schweizerische Industrie-Gesellschaft Neuhausen (SIG) und geliefert an die Appenzeller Straßenbahn (ASt.) als C³ Nr. 68.
1938:Ausbau der mittleren Achse und Verlegung des Bremszahnrades auf eine der äußeren.
1948:Einreihung in den Fahrzeugpark der neu gegründeten St. Gallen-Gais-Appenzell-Altstätten-Bahn (SGA) und Umnummerierung in SGA C NR. 111.
1981:Umzeichnung in SGA B Nr. 116.
1982:Verkauf an die SWEG und Transport nach Dörzbach.
1984:Nach erfolgter Aufarbeitung und umspurung Einsatz in Museumszügen.
Heute abgestellt in Dörzbach vorhanden.

Die originale Innenausstattung des Wagens.
Bild: Anselm Erdmann