Sommerwagen 113

Ein ehemaliger Güterwagen als Sommerwagen

Titelbild: Anselm Erdmann

Der heutige Sommerwagen M-D 113 wurde 1913 als gedeckter Güterwagen von der Waggonfabrik Görlitz geliefert. Er gehört zu einer Serie von fünf überwiegend baugleichen gedeckten Güterwagen, die zwischen 1910 und 1913 für die Jagsttalbahn gebaut wurden. Sie sind alle noch vorhanden, wenn auch in recht unterschiedlichen Umbauvarianten:

M-D 110 Umbau zu Wasserwagen (jetzt Wagen Nr. 168)
M-D 111 Umgebaut zu Hilfsgepäckwagen
M-D 112 Umgebaut zu Gerätewagen
M-D 113 
M-D 114 Ebenfalls Umbau zu Sommerwagen

Der Wagen 113 wurde anfangs vor allem im Stückgut- und Tiertransport eingesetzt. Da nach 1945 der Personenverkehr stark anstieg, wurde der Wagen von 1950 bis 1959 nach kleinen Umbauten bedarfsweise als Behelfspersonenwagen eingesetzt. Anschließend diente er wieder als Güterwagen und nach der Aufnahme des Museumsverkehres auch als Gepäckwagen. Da für die Massen an Fahrgästen, insbesondere an den Pfingstspektakeln, mehr Personenwagen benötigt wurden, bauten die Jagsttalbahnfreunde e.V. nach dem Kauf von der SWEG den Wagen 1986 in einen Sommerwagen um.

In der Funktion als Sommerwagen wird der M-D 113 auch zukünftig in unserem Museumszug fahren und unseren Fahrgästen ein besonderes Erleben des malerischen Jagsttals möglich machen.

 

Noch als Güterwagen steht der M-D 113 im Jahr 1967 in Dörzbach. Auf dem Bild sind auch die wieder verschlossenen Fensteröffnungen aus der Zeit als Behelfspersonenwagen zu erkennen.
Bild: Ulrich und Gerald Gunzenhäuser

Lebenslauf:

1913:Geliefert von der Wagonfabrik Görlitz als Wagen Nr. 63.
1928:Umzeichnung in M-D 113.
1933:Einbau einer Westinghouse-Druckluftbremse zusätzlich zu der bereits vorhandenen Spindelhandbremse.
1950:Umbau in Behelfspersonenwagen. Dazu Einbau von 8 Seitenfenstern, Sitzbänken und elektrischer Beleuchtung.
1959:Verschließen der Seitenfenster mit Brettern und Ausbau der Sitzbänke und somit Rückbau in einen normalen Güterwagen.
1964:Abbau des Dachvorsprunges über der Bremserbühne.
1982:Anbringen der Werbeanschrift „Distel-Pils“.
1986:Kauf des Wagens durch die Jagsttalbahnfreunde e.V. von der SWEG und Umbau in den jetzigen Sommerwagen.
2009:Beginn der Aufarbeitung, zuerst in Jagsthausen und später in Dörzbach.
06.11.2021:Abnahme der Hauptuntersuchung.

Aufarbeitung

Als sich 2009 die Planungen für eine leider später nicht zustande gekommene Museumsbahn auf dem Abschnitt von Widdern nach Jagsthausen konkretisierten, musste auch an die Aufarbeitung eines Museumszuges gedacht werden. Da der Wagen 113 dadurch, dass er aus einem Güterwagen entstanden ist, technisch und konstruktiv recht einfach ausgeführt ist, bestand die Hoffnung ihn mit überschaubaren zeitlichen und finanziellen Mitteln zu restaurieren. Zumal es wohl kaum was Besseres geben dürfte, als im Sommer in einem offenen Wagen durch das Jagsttal zu schaukeln.
Deshalb wurde der Wagen von Bieringen nach Jagsthausen zur Aufarbeitung transportiert. Sogleich wurde mit der Demontage des Wagens begonnen und die Drehgestelle, Sitzbänke und Seitenbretter ausgebaut. 2010 wurde der Rahmen sandgestrahlt und anschließend grundiert. Bis 2011 wurde dieser dann und viele Kleinteile schwarz lackiert, sowie die Sitzbänke aufgearbeitet. Im folgenden Jahr wurden schwerpunktmäßig Holzarbeiten durchgeführt. Es wurden zum einen neue Bretter für die Seitenwände zugesägt, lackiert und eingebaut. Zum anderen wurde die alte Dacheindeckung und marode Holzteile der Dachkonstruktion entfernt. Bevor das Dach seine neue holz Unterkonstruktion erhalten konnte, mussten zuerst noch einige Dachsparren ersetzt werden. Natürlich wurde anschließend auch die neue Dachkonstruktion mit Farbe gestrichen. Wenig später konnte das Blechdach, dass die neue Holzkonstruktion vor Feuchtigkeit schützen soll, montiert werden. 2014 konnte der Sommerwagen wieder auf seine Drehgestelle abgelassen werden, nachdem diese einzeln aufgearbeitet wurden. Somit war auch eine wichtige Voraussetzung für den Transport des Wagens nach Dörzbach gegeben, welcher 2015 stattfinden konnte. In Dörzbach sollte dann das Bremsgestänge aufgearbeitet, eingebaut und eingestellt werden. Diese Arbeit mussten aber leider zunächst aufgeschoben werden, da der hierfür benötigte Hebestand durch die Hauptuntersuchung unserer Diesellok 22-02 belegt war. Bevor dieser frei wurde, wurde unter anderem eine neue und durch aktuelle Regelwerke geforderte elektrische Beleuchtung installiert, sowie eine neue Hauptluftleitung gefertigt. Als der Hebestand schließlich frei war, wurde der Wagen erneut angehoben und die Drehgestelle ausgebaut um nun einzeln und gut zugänglich das Bremsgestänge aufarbeiten zu können. Hier war Aufgrund von hohem Verschleiße viel Arbeit nötig, da sehr viele Bolzen neu gefertigt und Bohrungen neu ausgerieben werden mussten. Die Drehgestelle konnten nach Beendigung der Arbeiten 2019 endlich wieder eingebaut werden. Daraufhin war es auch möglich den Fußboden und somit auch die Sitzbänke einzubauen. Nach einer Auffrischung der Außenlackierung konnte die Beschriftung aufgebracht werden. Nach dem Erledigen von Restarbeiten konnte der Sommerwagen Anfang November 2021 erfolgreich abgenommen werden.

Im April 2012 steht der Sommerwagen ohne Drehgestellen zur Aufarbeitung noch in Jagsthausen. Der Rahmen ist bereits frisch lackiert und es wird fleißig am Dach gearbeitet.
Bild: Volker Elgner

Am Dach mussten mehrere Dachsparren ersetzt werden, bevor schlussendlich ein neues Blechdach montiert werden konnte.
Bild: Volker Elgner

Bevor der Boden eingebaut werden konnte, musste erst das Bremsgestänge überarbeitet werden.
Bild: Stefan Haag

Test der neu eingebauten Beleuchtung. Aufgrund des noch fehlenden Bodens ergab sich die interessante Ausleuchtung des Gleises.
Bild: Stefan Haag