Diesellok 22-02

Unsere "große" Diesellok und das Zugpferd im Museumsbetrieb

Titelbild: Ron Scherhaufer

Nach der Übernahme des Betriebs auf der Jagsttalbahn im Jahr 1963 durch die SWEG kam es zu einer letzten Modernisierung durch die Beschaffung von Neufahrzeugen. Am 21. September 1964 wurde die Firma Gmeinder & Co., Mosbach (Baden) um die Erstellung eines Angebots ersucht, man benötige zwei Dieselloks zu je drei Achsen und ca. 240 Ps. Grundlage dieser Beschreibung war der Gmeinder-Entwurf PL 50008, wie er der Brohltal-Eisenbahngesellschaft (für Meterspur) angeboten worden war. Gmeinder bot neben diesem Typ zusätzlich den Typ V12-16 (Entwurf PL 20231, eine größere Lok (PL 20184) mit 240 Ps und eine vierachsige Drehgestell-Lok an, die auf einem Lizenzbau der Mak G 480 fußte, der bei der DB als V51 in der Lieferung war an. Auch von anderen Herstellern kamen Angebote, so von Orenstein & Koppel zwei Varianten mit 172 bzw. 240 Ps und zwei bzw. drei Achsen.

Letztlich entschied man sich aber für den Typ V12-16 von Gmeinder. Dort wurden die beiden bestellten Loks dann 1965 unter den Fabriknummern 5413 und 5414 aufgelegt und Oktober bzw. November 1965 auf einem Straßentieflader nach Möckmühl geliefert. Im November 1965 fand eine Probefahrt Dörzbach – Westernhausen – Dörzbach statt, im Januar 1966 wurde die Betriebsgenehmigung erteilt.

Der Rahmen der Loks besteht aus sehr massiven Blechplatten, in denen die Radsatzlager in Metall-Gummi-Elementen gelagert sind. Der Achsantrieb erfolgt über Gelenkwellen, die ausgehend vom 6-Zylinder-MAN-Dieselmotor (D 2146 HM) über einen Einfachwandler (VOITH RS 15 z) und ein Stufen- und Wendegetriebe angetrieben werden. 

Die Steuerung der Lok arbeitet mit Druckluft als Hilfsenergie, so dass eine Vielfachsteuerung der Maschinen möglich ist. Diese ist nach Bauart Westinghouse ausgeführt, sie steuert über 6 Druckluftschläuche neben der Fahrtrichtung, der Traktionsleistung und der Getriebefüllung noch die Zusatzbremse beider Loks, den Sandstreuer beider Loks und verbindet die beiden Hauptluftbehälter miteinander (HBL). 

Da die Loks sowohl allein als auch als Pärchen verkehren konnten, übernahmen sie rasch nahezu alle Zugleistungen auf der Jagsttalbahn. Führerstand an Führerstand gekuppelt (so konnte man in beide Richtungen „vorwärts“ fahren) erhielten sie den Namen „Jagsttal-Krokodil“. Ursprünglich war die Vielfachsteuerung so ausgeführt, dass beide Loks in gleicher Richtung auf dem Gleis standen. Um sie „Rücken an Rücken“ fahren zu können, musste die Belegung der Vielfachsteuerungsleitungen angepasst werden. Ein Betrieb „Schnauze an Schnauze“ ist mit der Vielfachsteuerung daher nicht möglich.

Lok 22-01 ist seit 2006 an das Öchsle (Ochsenhausen-Warthausen) vermietet und dort nach erfolgter Hauptuntersuchung im Einsatz.

Lok 22-02 wurde von 2014 bis 2021 in Dörzbach mit finanzieller Unterstützung der Stiftung Würth grundlegend überholt und kann nun nach erfolgreicher Abnahme der Hauptuntersuchung im Museumsbetreib zum Einsatz kommen.

Bauart  B-dh 
Typ  L 10 B 
Hersteller  Gmeinder & Co., Mosbach (Baden) 
Bremsbauart  Einlösige Knorr-Einkammerdruckluftbremse mit Zusatzbremse und Bremsstellungen "G" und "P" 
Motor Bauart 6-Zylinder-Reihendieselmotor mit Direkteinspritzung, wassergekühlt 
 Typ D 2146 HM 
 Hersteller MAN, Werk Nürnberg 
 Hubraum9660 cm³ 
 Leistung 132,5 kW = 180 PS 
Getriebe TypRS 15 z 
 Hersteller Voith, Heidenheim (Brenz) 
WendegetriebeTypSWV 2/100618 
 Hersteller Gmeinder & Co., Mosbach (Baden) 
Achsgetriebe TypGM 160 E/489 
 Hersteller Gmeinder & Co., Mosbach (Baden) 
TriebradsätzeLaufkreisdurchmesser neu 850 mm 
 Laufkreisdurchmesser min. 790 mm 
Kraftübertragung  Gelenkwellen 
Dienstgewicht  20.000 kg 
HöchstgeschwindigkeitStreckengang 35 km/h 
 Rangiergang21 km/h 

 

Die Aufarbeitung in Bildern

Bevor mit dem Ausbau von Komponenten begonnen wurde, wurde im Oktober 2014 das Fahrwerk der Lok bestmöglich mit einem Dampfstrahler gereinigt.
Bild: Clemens Cruschwitz

Ende 2014 ist die Lok ausgeachst.
Bild: Stefan Haag

Im September 2015 sind die beiden Achstriebe frisch überholt und lackiert zurück von der Firma Gmeinder in Mosbach.
Bild: Stefan Haag

Auch die Zug- und Stoßvorrichtung war bei Gmeinder zur Überholung
Bild: Clemens Cruschwitz

Bevor die Achstriebe wieder eingebaut werden konnten, waren noch viele Arbeiten am Rahmen nötig. Viele kleinere Teile wurden ausgebaut um geprüft oder ersetzt zu werden, aber auch um ihn für eine Neulackierung vorzubereiten.
Bild: Stefan Haag

Auch an der Antriebsanlage, bzw. am Aufbau allgemein waren viele Arbeiten zu erledigen. Unter anderem Rohre und Schläuche ersetzen, Elektrik teilweise erneuern, oder wie im Bild zusehen die Kühlerelemente ausbauem um diese auf Dichtigkeit zu prüfen und wo nötig abzudichten.
Bild: Stefan Haag

Eine weitere Arbeit war es die alten Anschriften zu vermessen, um die neu anzubringenden möglichst dem Original nachempfinden zu können. Hierdurch soll das ursprüngliche Erscheinungsbild der Lok möglichst erhalten werden.

Mittlerweile hat Lok 22-02 ihre Hauptuntersuchung erhalten und ist für den Museumsverkehr einsatzbereit.