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Krieg und Frieden


aus dem Archiv geholt von Fritz Ebert, Dörzbach

 

Am 14. Dezember 1945 hat die Jagsttalbahn, 8 Monate nach Kriegsende, ihren fahrplanmäßigen Betrieb nach Möckmühl wieder aufgenommen. Hier daher ein Rückblick in eine bewegte Zeit... Im amtlichen Fahrplan von Dezember 1945 wird vermeldet: "Der Eisenbahnbetrieb nach und von Dörzbach - Möckmühl (Züttlinger Überweg) wurde wieder aufgenommen. Es wird vorläufig der Personen-, Gepäck-, Expreßgut- und Stückgutverkehr auf vorbezeichneter Strecke durchgeführt ... die Personen müssen den Weg vom Züttlinger Überweg bis Bahnhof Möckmühl zu Fuß zurücklegen, während die Güter durch einen Spediteur umgeladen und von und nach dem Bahnhof Möckmühl gebracht werden!" Die Eisenbahnbrücke in Möckmühl war nach ihrer Sprengung noch nicht wieder benutzbar, während die von Winzenhofen bereits wieder hergestellt war! Der erste fahrplanmäßige Zug fuhr am 14. Dezember 1945 um 3.30 Uhr in Dörzbach ab und war um 5.43 Uhr in Möckmühl. Der Gegenzug verließ Möckmühl um 8.50 Uhr und kam um 11.12 Uhr in Dörzbach an. Die Zeit des zweiten Weltkrieges ging auch an der Jagsttalbahn nicht spurlos vorüber, wie zahlreiche Schriftstücke in den Archiven belegen: Mit Schreiben vom 10. Juni 1942 wurde vom Reichsbahn-Verkehrsamt Heilbronn an das Landratsamt in Künzelsau und an die Bürgermeisterämter der Jagsttalbahn-Anliegergemeinden verfügt, daß ausländische Fremdarbeiter zum beschleunigten Be- und Entladen heranzuziehen sind. Es sind dazu Arbeitskolonnen bereitzustellen, nötigenfalls in Form einer "Notdienst-Verpflichtung"! Mit der "Durchführung des Betriebes bei Fliegeralarm" und dem "Ausschlacken der Lokomotiven" befaßt sich ein Schreiben vom Februar 1944: Das Reichsverkehrsministerium gab bekannt, daß "...bei Fliegeralarm das Ausschlacken der Lokomotiven in den Bahnbetriebswerken eingestellt ..." wird. Und "...daß der nicht zu vermeidende Lichtschein glühender Schlacken durch sofortiges Ablöschen eingenebelt wird. Ausländische Arbeiter sind hierbei durch einen deutschen Bediensteten zu beaufsichtigen." (Angst vor Sabotage) "Für zerstreutes Aufstellen der Lokomotiven ist nach wie vor zu sorgen." Nach dem Kriege ging es vor allem darum, die erlittenen Schäden zu erfassen und zu beheben, damit möglichst bald wieder ein geregelter Zugverkehr stattfinden konnte. Bereits zwei Monate nach Kriegsende richtete die Bahnverwaltung Dörzbach ein Schreiben an die amerikanische Militärregierung in Künzelsau, betreffs "Instandsetzung der Nebenbahn Möckmühl-Dörzbach" (Datum 16. Juli 1945). Darin wird der Zustand der Betriebsmittel gemeldet: 3 Lok mit 14,5 to und 1 Lok mit 24 to betriebsfähig bzw. in Revision. Von acht Personenwagen ist einer durch Kriegswirkung zerstört; von 2 Post- und Gepäckwagen ist ebenfalls einer zerstört; dazu kommen noch 26 verschiedene Geräte- und Güterwagen, die auch teilweise "erheblich beschädigt" sind. Auf 39,1 km Schienenweg ist die Gleisanlage mehrfach zerschossen, gesprengt und verschoben; Eisenbahnschienen sind teilweise entwendet und fehlen auf offener Strecke. Bei der Winzenhofener Jagstbrücke ist das 2. Joch gesprengt und bei der Möckmühler das 1. Joch. Die gesprengten Brückenteile liegen in der Jagst. Die Brückenbaufirma Mehne in Heilbronn machte einen Kostenvoranschlag für beide Brücken in Höhe von 50.000,- RM. "Die Instandsetzung der Gleisanlagen wird ca. 4 Wochen dauern (!)." Von den Bahnhofsgebäuden sind Klepsau, Gommersdorf, Marlach, Winzenhofen, Westernhausen, Berlichingen, Olnhausen und Ruchsen mehr oder weniger beschädigt. "Insbesondere sind die Inneneinrichtungen zertrümmert" Insgesamt 9 Fernsprechapparate sind zerstört. Die Freileitung der Fernsprechanlage ist mehrfach zerschossen und unbrauchbar. Um die Fernsprechleitung der Jagsttalbahn wieder instandsetzen zu können, richtet die Bahnverwaltung im Juli 1945 ein Schreiben "An den Herrn Landrat Künzelsau", weil amerikanische Truppen die Leitungsmasten der Jagsttalbahn für eigene Telefonleitungen benutzt haben. Bei der Entfernung durch die Bahnmeisterei Bieringen könnten sich aber "Anstände" ergeben... Ebenfalls im Juli 1945 wird um eine "Räumung der Bahnhofsgebäude in Dörzbach und Krautheim" ersucht; amerikanische Truppen halten diese noch besetzt. Es wird geklagt: "Von der Besatzung sind aus den Schränken ... Vordrucke und Fahrkarten herausgenommen und in einem Personenwagen bzw Lagerraum durcheinandergeworfen worden." Nachdem diese Hürden genommen waren, konnte am 14. Dezember der fahrplanmäßige Jagsttalbahn-Zugverkehr wieder aufgenommen werden!



Zuletzt bearbeitet:  16:27 14/03 2005


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