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Kinderlandverschickung

„Es war einmal ...“ - so beginnen alle Märchen. Als ich aber am 06.08.2011 mit meiner Frau von Jagsthausen in Richtung Widdern über die alten Gleise des Bemberle durch den Laubwaldtunnel wanderte, kamen meine Erinnerungen, die über 70 Jahre zurück lagen, plötzlich zurück. Wie das Aufblitzen der Jagst zwischen den Bäumen, so konnte ich feststellen: „Es war einmal.“


Ein durch Bombenhagel in Dortmund verunsicherter Junge hatte im Jagsttal eine Bleibe gefunden und er fuhr mit dem Bemberle und den Buben aus dem Jagsttal, Olnhausen und Widdern nach Möckmühl zur Schule. Es gab dabei viel Zeit, die Schularbeiten gemeinsam zu machen oder sich gegenseitig abzuhören. Die Zuggeschwindigkeit wurde aber oft am Nachmittag unterboten, wenn mit einem Ochsengespann Zuckerrüben zum Bahnhof gefahren wurden, um dort per Hand in die großen Eisenbahnwagen verladen zu werden. Wegen der großen Spurbreite der normalen Güterwagen waren diese auf Schmalspurgestellen aufgebockt. Ähnlich wurde im Winter Holz aus dem Wald auf die Eisenbahnwagen verladen.


Diese schönen Erinnerungen wurden jäh gestört, als wir an einen Streckenabschnitt kamen, wo einige Schwellen verfault und verrottet waren. Plötzlich war der Krieg Anfang 1945 wieder gegenwärtig. Die deutschen Soldaten hatten sich längs der Bahnstrecke in Schützengräben eingegraben, um von dort aus die Straße zu kontrollieren. Sie hatten auch Bahnschwellen quer auf die Schienen gelegt, um ihren Schutz zu erhöhen. Wir Buben sind zwischen den Fronten hin und her gelaufen und ich musste miterleben - im Gebüsch des Brandhölzles liegend - wie die Jabos (Jagdbomber) den Bahnhof Möckmühl angriffen und die Eisenbahnbrücke trafen. Da ich Bombenangriffe kannte, konnte ich meine Klassenkameraden trösten. Aber als wir einige Tage später zwei tote deutsche Soldaten im Schützengraben zwischen Ruchsen und Widdern neben der Bahnstrecke fanden, haben alle verstanden, das ist kein Spiel mehr. Wir haben dies dem Pfarrer von Ruchsen gemeldet und mit ihm die Soldaten während der Kampfhandlungen neben der Bahnstrecke beerdigt.


Alles dies war tief in mir verschüttet, als ich in Gedanken verloren, mit meiner Frau zum Bahnhof Jagsthausen zurückkam. In der Hand zwei Gleisschrauben, die ich unterwegs aus einer verfaulten Schwelle gelöst hatte. Meine Frau stand abseits, als ich versuchte, zugewachsene Weichen zu bewegen, sprach mich ein junger Mann an, der damit beschäftigt war, die Rückeroberung der Natur über die Eisenbahntechnik einzudämmen. Er stellte sich als Eigentümer des Bahnhofs in Jagsthaussen vor. Im Gespräch erfuhr ich, dass durch ein Veto der Bevölkerung die weitere Inbetriebnahme des Bemberle abgelehnt wurde. Wie konnte so etwa geschehen! Ist die heutige Jugend nicht in der Lage, altes Kulturgut zu erhalten und zu konservieren, genauso wie man alte Bauernhöfe erhält und betreibt? So sollte das Bemberle Zeugnis von der 100 Jahre alten Industriekultur des Jagsttals ablegen und zwar jetzt! Und nicht, wenn in 1.000 Jahren bei Ausgrabungen Schienenfragmente gefunden werden. Ich habe die Hoffnung, dass die Bevölkerung des Jagsttals sich ändert und nicht nur nach einem materiellen Nutzen fragt. Das Jagsttal braucht sein Bemberle in Funktion und nicht als Märchen.


„Es war einmal ...“ - Ich danke Gott, dass ich als Junge während des Krieges im Jagsttal sein durfte, obwohl ich aus meiner Erinnerung heraus auch viel Heimweh hatte. Das Bemberle gehört zu meinen prägenden Jugenderinnerungen.

 

Winfried & Helga Withöft, Dortmund

 



Zuletzt bearbeitet:  21:46 13/09 2011


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