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Post-/Gepäckwagen 89



Der heutige Wagen Nr. 89 wurde 1900 von der Waggonfabrik Görlitz als Post-/Gepäckwagen Nr. 16 an die Jagsttalbahn geliefert. 1928 erhielt er dann seine heutige Nummer 89. Ab 1949 wurde er nur noch als Gepäckwagen genutzt, 1962 wurde eine Elektrische Beleuchtung eingebaut. 1971 wurde der Wagen in Dörzbach abgestellt.



Aufarbeitung seit 2007

Die Aufarbeitung des Wagens 89 begann 2007 mit dem Transport von Bieringen nach Widdern. Die Restaurierung des Wagens erfolgt dort durch die damals gerade gegründete Arbeitsgruppe.

 

Die ersten Schritte waren wie bei allen Fahrzeugen das Zerlegen in die Einzelteile. Zuerst wurde alle erreichberen Teile entfernt unde der Rahmen auf der Oberseite entrostet, grundiert und lackiert. Pfingsten 2008 wurde der Windenstand von  Dörzbach nach Widdern transportiert und aufgebaut. Nach einem Tag in brütender Sonne waren der Wagen angehoben und die Achsen ausgebaut und zum Transport nach Dörzbach verladen.

 

Nun konnt der Rahmen auch von unten entrostet, grundiert und lackiert werden. In Dörzbach wurden die Radsätze und Achslager gereinigt und neu Lackiert, die Achslager erhielten neue Schmierpolster. Da die Abmessungen der Spurkränze und Laufflächen außerhalb der zulässigen Toleranzen lagen, wurden die Radsätze zum überdrehen in eine Dreherei mit einer ausreichend großen CNC-Maschiene gebracht.

 

Parallel dazu konnten alle ausgebauten Teile der Bremsanlage, die Trittbretthalter, die Geländer der Plattform und die Kupplungen grundiert und schwarz lackiert werden.






Der Windenstand wird nach Widdern transportiert....


...und aufgebaut




Nachdem die Radsätze überdreht  und die Lager mit neuen Schmierpolstern versehen waren konnte es wieder an den Einbau gehen. Anfang April 2010 wurde der Wagen wieder auf seine Räder gestellt.

 

Die Radsätze mit den fertig montierten Lagern wurden aus dem Güterschuppen geholt und unter den Wagen gerollt. Dann kamen die Federn an die Reihe und wurden auf die Lager abgesetzt. Dann hieß es Kurbel und den Wagen mit den handbetriebenen Hebeböcken langsam abzulassen. Dabei musste natürlich darauf geachtet werden, dass die Achslager ohne sich zu verkanten in ihre Führungen glitten. Nachdem die Radsätze eingebaut waren wurden die Lager wurden mit Öl gefüllt der Wagen mit Hemmschuhen gesichert. Der Hebestand wurde auch gleich abgebaut und nach Jagsthausen gebracht um dort den Sommerwagen 113 von seinen Drehgestellen zu heben.

 

Seitdem konnte es mit der Aufarbeitung der Türen und Fenster weitergehen. Das Holz für die Seitenwände wurde geschnitten und zum streichen vorbereitet. Da wir inzwischen auch das Holz für das Dach von Sägewerk holen konnten wurde das alte Dach (oder das, was davon übrig war) entfernt.






Transport der Achsen aus dem Güterschuppen zum Wagen 89


Der Bremszylinder vor der Montage


Aushängen der Traversen und Verladen der Winden


Die Achsen sind montiert, die Winden abgebaut und verladen, der Wagen gesichert.


Die zufriedene Helfertruppe nach der Achsmontage vor dem Abbau der Winden.




Zu dem Vorgang "Vorbereitungen zur Erneuerung des Daches und der Seitenwände", der sehr viel Zeit in Anspruch genommen hat, im Folgenden ein paar Worte.

 

Eisenbahn und Denkmalschutz

 

Wie bekannt ist, steht die gesamte Jagsttalbahn, und damit auch Wagen 89 unter Denkmalschutz. Der Wagen 89 ist aufgrund folgender Punkte für den Denkmalschutz von besonderen Interesse:

  • der 89er ist eines der letzten Fahrzeuge, die von der Erstausstattung der Jagsttalbahn erhalten geblieben sind.

  • Trotz seines hohen Alters ist er im Grund ohne große Veränderungen erhalten geblieben.

  • Es gibt noch viele erhaltene Originalteile oder Hinweise auf den Originalzustand, so dass dieser Zustand wieder annähernd erreicht werden kann.

  • Als gut erhaltenes Dienstfahrzeug ist er recht selten. Meist haben eher Lokomotiven oder Personenwagen überlebt.

Dies alles hatte zur Folge, dass das Landesamt für Denkmalschutz in Esslingen ein großes Interesse am 89er hat. Zu den Themen Dacheindeckung und Farbauswahl gab es dann einige Vororttermine und einen regen Briefwechsel. Das Betriebsbuch musste ausgewertet werden, was nicht einfach war, da es zum großen Teil noch in Sütterlin handschriftlich verfasst ist.

 

Das ganze war ein anstrengender Lernprozess für uns, da wir mit dem Denkmalschutz noch keine Erfahrungen hatten. Es gab harte Auseinandersetzungen, die schließlich aber zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit geführt haben. Bei uns Jagsttalbahnfreunden wurde der Blick und das Bewusstsein für das Denkmal geschärft. Wir gehen inzwischen mit geschärftem Blick an die Renovierungen heran. Auf der anderen Seite hat aber auch das Denkmalamt Zugeständnisse in Hinblick auf den Einsatz des 89er im Betrieb gemacht.

 

Als Ergebnis kann man folgendes festhalten:

  • Das Dach bekommt eine Eindeckung mit Titanzink. In dieser Frage herrschte die stärkste Uneinigkeit. Nachdem wir aber keine Wagenhalle haben, und das Fahrzeug im Freien stehen wird, war für uns ein Dach aus geölter und besandeter Leinwand nicht akzeptabel.

  • Alles Holz wird nach guter alter Väter Sitte mit Ölfarbe gestrichen. Entsprechend der Ergebnisse, die beim abschleifen der Türen zum Vorschein kamen und der Ergebnisse vom Wagenkasten ergibt sich folgende Farbauswahl:

  • Das Dach erhält innen einen Anstrich mit Perlweiß.

  • Die Außenseite wird in Flaschengrün gestrichen.

  • Die Innenseite der Wände erhält einen silbergrauen Anstrich.

 

Nachdem das alles geklärt war konnte es endlich weitergehen. Die Bretter für die Dacheindeckung wurden mit Halböl grundiert und zweimal lackiert. In einer Arbeitswoche wurde die alte Dacheindeckung entfernt. Dabei gingen leider zwei der Dachbögen zu Bruch. Sehr kurzfristig konnten wir eine entsprechend gebogene Eichendiele auftreiben, aus der dann die zwei Bögen ausgesägt wurden. Der obere Holzrahmen und die Dachbögen wurden abgeschliffen und auch lackiert. Zum Abschluss der Arbeitswoche konnten wir die Dacheindeckung noch durchführen und den Rahmen außen mit Flaschengrün streichen. Jetzt harrt das Dach noch auf Herrn Jedele aus Jagsthausen, der uns das Titanzink installieren wird.

 

Über den Sommer hinweg haben wir uns dann an die Türen begeben. Im Laufe der Auseinandersetzung damit ist uns dann erst so richtig klar geworden, wieviele Türen dieser Wagen hat:

  • von der Plattform aus die Türen zum Gepäckabteil und zum WC, beide mit Fenster zum öffnen.

  • Zwei Schiebetüren an den Seiten des Gepäckabteils

  • vier Flügeltüren an den Seiten des Postabteils, jede mit Fenster zum öffnen.

 

Der Zustand der Türen war sehr unterschiedlich, von fast vollständig bis fast nur noch fragmenthaft und beschädigt. In viel mühevoller Kleinarbeit sind die sechs Flügeltüren inzwischen vom Holz her wieder vollständig und auch schon lackiert. Die Fenster wurden vollständig neu gebaut. Im Moment versuchen wir die Beschläge zu reparieren oder nachzubauen.

 

Parallel dazu befindet sich das Holz für die Seitenwände bei der BAW in Michelstadt im Odenwald, und wird dort innen und außen lackiert.






Ersetzter Dachbogen (2. von vorne)


Die Verzapfung des Dachbogens


Montage des Dachüberstands


Das fertig gestrichene Dach über der Bühne


Gesamtansicht des Wagens


Aufgearbeitete Türen



Stand Juni 2011




Rechtzeitig zum Pfingstmarkt 2011 konnten die schon gestrichenen Bretter der Seitenwände eingebaut werden. Befestigt wurden sie historisch korrekt mit sogenannten Bogenklammer- oder Waggonbauschrauben.



Stand Juli 2013




Am Wagen 89 geht es einen Schritt weiter. Im Juli 2013 haben wir in glühender Hitze ein neues Blechdach montiert. Bilder FS



Zuletzt bearbeitet:  10:07 13/10 2013


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