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Dörzbacher Maimarkt und Jagsttalbahn

von Fritz Ebert, 2000

 

Was hat das Dörzbacher Maifest mit der Jagsttalbahn zu tun? Auf den ersten Blick sicherlich überhaupt nichts! Doch wenn man ein bisschen genauer hinschaut ...

 

Am 22. Mai 1838 wird in Dörzbach das "Maifest" gefeiert! Damals lud Pfarrer Ottmar Schönhuth - der dem schwäbischen Romantiker-Kreis um Uhland, Mörike, Silcher und Hauff enstammte - zu einem "Maientag" bei der Kapelle St. Wendel am Stein ein: "Alle Kinder aus der Nähe und Ferne werden sich an diesem Tage hier versammeln, um durch Gesang und Spiele im Freien das Fest des Wonnemonds zu begehen ..." (Kocher-Jagst-Bote vom 01. Mai 1838).

Ursprünglich war dieses Fest auf der großen Waldwiese oberhalb des Kapellenfelsens eine Mischung von Kinderfest und Sängerfest. Es hat sich aber im Laufe der Zeit zu einem Fest der Dörzbacher Schulkinder entwickelt, so wie wir es seit der eigenen Jugendzeit kennen.

Doch was hat das Ganze nun mit der Jagsttalbahn zu tun? - Im Jahre 1838 befasste man sich zum wiederholten Mal mit Plänen, durch den Bau einer Eisenbahnlinie das mittlere Jagsttal um Dörzbach an dieses neue Verkehrsnetz innerhalb der deutschen Lande anzuschließen. Denn "schon im Jahre 1889 ist auf Betreiben eines Komitees das Projekt einer Dampfstraßenbahn von Möckmühl über Dörzbach - Stuppach bis nach Mergentheim ins Auge gefasst worden ..." Der "Dörzbacher Gemeindebote" Nr. 13/1996 enthält ein Dokument, wonach ein Bezug zwischen dieser geplanten Bahnlinie und dem Tuffsteinfelsen bei der Sankt Wendel Kapelle besteht. - In einer Bitte des "Komitees um Erbauung einer schmalspurigen Eisenbahn von Mergentheim über Wachbach nach Dörzbach" an die "Hohe Ständeversammlung" des damaligen Königreichs Württemberg heißt es mit Datum vom 02. April 1893 wie folgt.

"Ein fast unerschöpflicher Vorrat an vorzüglichen Tuffsteinen, welche gegenwärtig schon bis Würzburg und Ochsenfurt versandt werden ... harren nur des besseren Verkehrsmittels, um in rationeller Weise ausgebeutet zu werden und der Bahn eines Massenverkehrs zuzuführen." Das heißt also mit anderen Worten, dass der Tuffsteinfelsen von St. Wendel bei den ersten Überlegungen zum Bau einer Jagsttalbahn mit eine Rolle gespielt hat: Dörzbacher Tuffstein als Massenfrachtgut einer Bahnlinie!!

Anno 1961 feierte man "125 Jahre Maifest". Im Rahmen dieser festlich begangenen "Dörzbacher Heimattage" fand natürlich auch ein großer Festzug mit heimatgeschichtlichen Themen statt. Hierzu baute die Dörzbacher Volksschule die Jagsttalbahn nach und ließ sie im Festzug durch Dörzbachs Straßen rollen - Und so kam die Jagsttalbahn schließlich (wenn auch nur en miniatur) oben auf dem Maifestplatz an.

Anläßlich des jüngsten Frühjahrs-Pferdemarkt wurde darüber berichtet, dass nach fast 100 Jahren Jagsttalbahn erstmals eine echte Lokomotive (auf dem Tieflader) an der Dörzbacher Kirche vorbei fuhr. Aber dass die Jagsttalbahn schon 39 Jahre früher sogar bis auf den Maifestplatz hochfuhr, dürfte wohl ebenso eine Pressemeldung wert sein. - Und so war´s denn auch. In einem Bericht der "Hohenloher Zeitung" vom 05.Juli 1961 wird mit Foto von diesem Ereignis berichtet.

Das Maifest lebt die Tradition weiter. Heute setzen die beiden Kindergärten der Gemeinde und die im Ort verbliebene Grundschule diese inzwischen 163-jährige Institution fort. - Und dass die 2 ½-tausendjährige Geschichte vom Ursprung der heutigen St. Wendel Kapelle weiter erzählt und weiter gelebt wird, dafür sorgt der "Förderverein Kapelle St. Wendel" seit ein paar Jahren.

Nun bleibt nur noch die Jagsttalbahn: Der Verein "Jagsttalbahnfreunde e.V." bemüht sich sehr darum, dass unser seit 1988 stillgelegtes "Bähnle" wenigstens auf einer Teilstrecke wiederbelebt wird. (...) Damit Tradition und Geschichte unserer Heimat auch für spätere Generationen lebendig bleibt, wünschen wir den Bemühungen beider Vereine für die Zukunft weiterhin viel Glück und Erfolg.

 

(Der so berühmte Tuffsteinfelsen von "St. Wendel" hatte - ungeachtet seiner historischen und "sakralen" Bedeutung als religiöse Weihestätte der Kelten und Germanen in vor- und frühchristlicher Zeit - früher sogar auch eine wirtschaftliche Bedeutung für Dörzbach: Er diente bis zum Jahre 1929 als Steinbruch.

Der im nassen Zustand leicht mit dem Beil zu behauende Tuffstein gab ein prima Baumaterial ab, wie zahlreiche Gebäude der näheren und weiteren Umgebung heute noch bezeugen. Erst ein Beschluß des damaligen Kirchengemeinderates machte dem gewerbemäßigen Abbau ein Ende.

Das unbefangene Auge heutiger Besucher kann kaum noch ermessen, daß sich die Tuffsteinfelsen hinter der Kapelle noch viel weiter die Jagst entlang ersteckt haben. Dem Steinbruch fiel auch die Grotte in Richtung Hohebach zum Opfer. Der heutige "Restfelsen" beträgt vielleicht noch ein Drittel der ursprünglichen Größe.)



Zuletzt bearbeitet:  10:35 19/11 2009


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