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Jagsttalbahn Möckmühl - Dörzbach

von Fritz Ebert, 1996

 

Als die Jagsttalbahn noch fuhr ...

 

... waren in den letzten Jahen die Pfingsttage ausgefüllt mit dem sogenannten "Pfingstspektakel": Im Stundentakt (!) fuhren die Personenzüge per Dampf und per Diesel das Jagsttal rauf und runter. Zahlreiche Menschen aus nah und fern (man brauchte nur die Autokennzeichen zu studieren) kamen in das mittlere Jagsttal und in die Anliegergemeinden der Bahn und füllten die bewirtschafteten Bahnhöfe mit Leben ...

 

Wenn Besucher jetzt durch die ausgestorbenen Bahnanlagen gehen oder der unkrautüberwucherten Jagsttalbahntrasse entlang der Straße folgen, wird es ihnen weh um´s Herz: Die Wagen stehen still vor sich hin rostend auf den Schienen, die oft vor Unkraut nicht mehr zu sehen sind; Scheiben sind eingeschlagen, im Inneren häufen sich Unrat und Müll. Brennnesseln ziehen ein grünes Leichentuch über Plätze, wo einst buntes Leben herrschte ...

 

Wir erinnern uns: Als kurz vor Weihnachten 1988 das "Bähnle" von heute auf morgen plötzlich nicht mehr fahren durfte, hatte kein spektakulärer Unfall, keine Bankrotterklärung der Betreiber, keine fehlenden Fahrgäste dem Ganzen ein Ende gesetzt. - Es waren Entscheidungen "maßgeblicher Stellen", die dem Bähnle gewissermaßen den Lebensfaden abgeschnitten haben. Das Gerangel um die Sanierungskosten (die immer wieder höher geschraubt wurden) glich der berühmten "Salami-Taktik" = scheibchenweise.

 

"Ruinen schaffen ohne Waffen" - so bezeichnete man sarkastischerweise die Verwahrlosung einst wertvoller Bausubstanz in den neuen Bundesländern. Dort schiebt man die Schuld auf das System des bankrott gegangenen Sozialismus. - Doch wie verhält es sich hier? Von heute auf morgen durfte die voll funktionsfähige Schmalspurbahn per Beschluß an "maßgeblicher Stelle" nicht mehr fahren. Auf knappen 40 km Streckenlänge keinen einzigen Meter mehr!

 

Und jetzt verrottet wertvolles "Volksvermögen", welches einst durch viele Stunden freiwilliger Arbeitsleistung in seinem Wert gepflegt und erhalten wurde!! ...

 

Da man Tote bekanntlich so in Erinnerung behalten sollte, wie sie einmal in blühenden Jahren waren, mag dieser Beitrag vielleicht von den Bildern ablenken, welche die Jagsttalbahn heute bietet ...

 

Ist unser "Bähnle" in seiner nunmehr 96jährigen Geschichte genauso ein Stück Heimat geworden wie andere - längst liebgewordene - Fleckchen in Hohenlohe auch  - oder nicht?!

 

Daß die "Akademie Ländlicher Raum Baden-Württemberg" und die von ihr beauftragten Experten die Jagsttalbahn als "touristisches Potential" und wichtigen "Frequenzbringer" einstufen, welche mithelfen kann, "Aufwind ins Jagsttal" zu bringen, läßt die Hoffnung auf eine eventuelle (Teil-)Wiederbelebung nicht ganz erlöschen.

 

Damit die Erinnerungen an eine "lebendige Jagsttalbahngeschichte" am Leben bleibt - ein paar Schlaglichter:

-          Am 08. April waren es 91 Jahre her (1905), daß folgende Zeitungsnotiz im damaligen "Kocher- und Jagstboten" über Dörzach berichtete (nachzulesen im "Dörzbacher Heimatbuch" S. 226): "Kutsche contra ´Bähnle´ Sieger

08. April. Landwirt Kiesel hier besitzt ein Pferd, das hie und da auch zu Chaisenfahrten benützt wird. Ein Beweis großer Leistungsfähigkeit legte dieses treue Tier vor einigen Tagen ab. In Schöntal (18 Kilometer) ging das Fuhrwerk mit diesem Pferd zu gleicher Zeit mit dem Zuge ab und traf noch einige Minuten vor Ankunft des Zuges hier ein."

-          Noch 5 Jahre älter ist der erste Fahrplanentwurf vom 21. September 1900, der damals anläßlich der bald bevorstehenden Eröffnung der Jagsttalbahn zur Beratung und Genehmigung an die örtlichen Gemeinderäte der Anliegergemeinden verschickt wurde:

"Obgleich in der den Hohen Staatsregierungen seinerzeit eingereichten und der Konzessionsertheilung zu Grunde liegenden Rentabilitätsberechnungen für den Fahrplan der Jagsttalbahn nur 3 Züge täglich in jeder Richtug angenommen sind, beabsichtigen wir doch zunächst 4 Züge täglich in jeder Richtung zu fahren, in der Annahme, daß dadurch nicht nur den Interessen aller betheiligten Gemeinden mehr gedient ist, sondern sich auch der ganze Verkehr der von der neuen Bahn erschlosssenen Gegend besser heben und entwickeln wird ... ... bitten wir Sie, den beiliegenden Fahrplanentwurf dem Gemeinderath vorlegen und uns umgehend dessen Zustimmung zu unseren Vorschlägen mittheilen zu wollen ... ... den Verkehr der neuen Bahn so günstig wie möglich zu gestalten und immer weiter zu entwickeln, so daß hierdurch auch die Vortheile der betheiligten Gemeinden im Jagsttal am besten gewahrt sein dürften!"

Dem Schreiben an die Bürgermeisterämter war der Fahrplanentwurf beigelegt.

 

Ein Sprung zurück in die neuere Zeit:

Ebenfalls im September, allerdings 66 Jahre später, wollte ein Redakteur vom "Haller Tagblatt" einen "Zeitungsbericht über die Nebenbahn Möckmühl - Dörzbach" schreiben und benötigte hierzu natürlich einige Informationen.

Er bekam von der Verwaltung der "SWEG" am 23.09.1966 folgenden Bericht zugesandt, der auch für uns heute noch einige interessante Daten und Fakten enthält:

 

Schreiben der SWEG-Verwaltung an das "Haller Tagblatt" in Auszügen

 

Die Nebenbahn Möckmühl - Dörzbach ist von 1898 bis 1901 mit der Spurweite von 750 mm erbaut worden. Der Güterzugbetrieb wurde am 18. Dezember 1900 aufgenommen. Am 14. März 1901 erfolgte die endgültige Eröffnung. Ein in früheren Jahren geplanter Weiterbau der Nebenbahn bis Bad Mergentheim ist nicht verwirklicht worden. Der Bau und spätere Betreiber der Bahn wurden von der Firma Vaering & Wächter übernommen. Im März 1930 übernahm die Deutsche Eisenbahn Betriebs-Gesellschaft Berlin den Betrieb. Da diese den Betrieb nicht aufrecht zu erhalten vermochte und eine Stillegung beantragt hatte, wurde die Nebenbahn Möckmühl - Dörzbach mit 9 weiteren Süddeutschen Bahnbetrieben an die Südwestdeutsche Eisenbahn-Gesellschaft mbH in Ettlingen am 26. April 1963 verkauft.

In den ersten Betriebsjahren war der Personenverkehr beachtlich. Er stieg bis zum Jahr 1918 auf 226.000 Personen und hatte selbst in den ersten Nachkriegsjahren keinen größeren Umfang. Die Ausweitung des Kraftverkehrs verursachte in Verbindung mit den einer Schmalspurbahn anhaftenden Nachteilen bereits im Juni 1934 einen Omnibusbetrieb einzurichten. Dieser mußte aber 1942 eingeschränkt und im August 1944 gänzlich eingestellt werden. Die Wiederinbetriebnahme des Omnibusbetriebes erfolgte im März 1950, und ab Januar 1952 wurde auch der restliche Personenverkehr von der Schiene auf die Straße gelegt. Von dieser Zeit wird der Schienenweg nur noch in ganz seltenen Fällen für die Personenbeförderung verwendet. Es ist nicht abwegig zu behaupten, daß das Jagsttal beachtlich in wirtschaftlicher Hinsicht durch die Bahnstrecke befruchtet werden konnte, auch wenn der Transport der Normalspurwagen nur auf Rollböcken ermöglicht wird. Die Jagsttalbahn ist eine der wenigen Strecken, bei der der Güterverkehr noch heute die Mengen vor dem ersten Weltkrieg übersteigt; jedoch konnte der höchste Verfrachtungsumfang von 54.000 to im Jahre 1928 noch annähernd 1949 mit 51.000 to erreicht werden, während er bis auf 40.000 to im Jahre 1965 zurückgegangen ist. Diese Verfrachtung von werktäglich 130 to im Durchschnitt ist für das Jagsttal aber noch so beachtlich, daß ein Stillegen der Bahn entgegen vorjährigen Äußerungen in den Zeitungen nicht beabsichtigt ist. Es wurden im Gegenteil die unwirschaftlichen Dampflokomotiven im November 1962 durch 2 moderne leistungsfähige Diesel-Lokomotiven ersetzt. Diese Lokomotiven haben den Vorteil, daß sie für stärkere Züge gemeinsam eingesetzt werden können und dabei nur von einem Diesellokführer bedient zu werden brauchen.

 

Für die genannte Durschschnittsmenge von 130 to je Tag ist zu berücksichtigen, daß in den Herbstmonaten ein Spitzenverkehr zu bewältigen ist, der nicht selten 500 to je Tag erreicht. Trotz der Schmalspuranlagen bereitet das Befördern einer solchen Menge keine Schwierigkeiten, setzt aber voraus, daß es das Personal an Geschick und Aufmerksamkeit nicht fehlen läßt, was wir erfreulicherweise unseren Bediensteten bestätigen können. Es darf aber nicht übersehen werden, daß sich der Bahnbetrieb nicht ohne Zuschüsse aufrecht erhalten läßt. Dies sollte seitens der verfrachtenden Wirtschaft beachtet werden.

 

Ein Verlagern von Schienentransporten auf die Straße könnte ein Schwächen des Bahnbetriebes entstehen lassen, was den Kern zu Betriebseinschränkungen in sich bergen könnte. Wir hoffen aber, daß die Verfrachter dem Bahnweg treu bleiben und mit uns, im allgemeinen Interesse, ein Erhalten des Schienenweges ermöglichen. Vor Beschaffen der Diesel-Lokomotiven verwendeten wir für die Güterbeförderung Triebwagen, die für den Personenverkehr bei einer anderen Bahn nicht mehr benötigt wurden. Züge mit diesen Fahrzeugen sind auf den beiligenden, ebenfalls zurückerbetenen Kleinbildstreifen erkennbar. Die Dampflokomotiven sind zwar ausgemustert, aber noch nicht verschrottet. Aufnahmen hiervon haben wir heute nicht verfügbar. Wir fügen aber unserem Schreiben gegen Rückgabe einen Zeitungsabschnitt der "Heilbronner Stimme" bei. Dieser Artikel enthält einige Aufnahmen von einer Sonderfahrt, die mit der Dampflokomotive für die EVS Öhringen durchgeführt wurde. Wir nehmen an, daß Ihnen von dort Aufnahmen überlassen wurden.

 

Bei der Nebenbahn Möckmühl - Dörzbach sind die Bahnhöfe Dörzbach, Krautheim, Bieringen und Jagsthausen besetzt; Widdern, Berlichingen und Westernhausen sind mit Agenten besetzt. Die übrigen Bahnhöfe dienen nur dem Wagenladungsverkehr. Es ist aber möglich, mit der Bahnverwaltung zu vereinbaren, daß auch Stückgutsendungen am Zuge ausgehändigt werden.

 

Wir hoffen, Ihnen mit diesen Ausführungen einen Überblick gegeben zu haben, der sich für die von Ihnen beabsichtigte Reportage verwenden läßt.

 

Hochachtungsvoll

Südwestdeutsche Eisenbahn-Gesellschaft mbH

 

Quellen:

-          Dörzbacher Heimatbuch

-          Jagsttalbahn Archiv

-          private Unterlagen

 

Dörzbach, Pfingsten 1996       Fritz Ebert



Zuletzt bearbeitet:  10:38 19/11 2009


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